Was mit internationalen
Klimaschutzgipfeln der Staats- und Regierungschefs begann und mit
deutlicher Verzögerung in nationale Politiken umgesetzt wird, ist in den
deutschen Kommunen längst angekommen. Überall stellen sich Kommunen auf
die Auswirkungen des Klimawandels ein und ergreifen die Initiative bei
der Formulierung eigener Klimaschutzziele und der Erstellung von
Klimaschutz- und Energieversorgungskonzepten.
Am Beispiel der Freien und Hansestadt Hamburg wird dabei deutlich, dass
sich jede Kommune in einer anderen Ausgangslage befindet und vor
individuellen Herausforderungen steht. Während die Großstadt Hamburg auf
der Infrastrukturseite eines der größten Fernwärmenetze Deutschlands
als Vorteil verbuchen kann, fehlt es ihr am Eigentum über die
Energienetze und somit an Einfluss auf die CO
2-Fracht der
Fernwärme. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Stadt mit dem Bau des
Steinkohlekraftwerks in Moorburg und mit Bürgerprotesten gegen den Bau
der Fernwärmetrasse, die es an das Netz anschließen soll,
auseinandersetzen muss.
Dennoch will Hamburg die energiebedingten CO
2-Emissionen bis 2020 um 40% im Vergleich zu 1990 verringern, wofür der jährliche CO
2-Ausstoß
gegenüber 2006 um 5,5 Mio. Tonnen reduziert werden müsste. Den
größten Beitrag soll dabei – wie in vielen anderen Kommunen – die
Wärmeversorgung leisten. Die politisch angekündigten Anstrengungen zur
Dämmung des Altbaubestandes haben zur Folge, dass die Bedarfsanalysen
vieler Energieversorger Rückgänge beim Wärmebedarf von 15–20% bis 2020
aufweisen. Bis 2050 könnte sich der Wärmebedarf und somit das
Absatzpotenzial mehr als halbieren.
Dabei kann aber auch die Erreichung dieser Effizienzziele keineswegs
vorausgesetzt werden. Vielmehr stellen auch sie finanziell und politisch
erhebliche Herausforderungen dar. So ist z. B. der Hamburger
Wohngebäudebestand traditionell durch Klinkerfassaden geprägt. Soll
dieser Charakter bewahrt werden, stellt dies für energetische
Sanierungsprogramme eine nicht zu unterschätzende Hürde dar.
Darüber hinaus steht fest, dass die anspruchsvollen Klimaschutzziele
nicht allein durch Effizienzmaßnahmen und Verbrauchseinsparung erreicht
werden können. 80–95% CO
2‑Einsparung sind das Ziel der
Bundesregierung bis 2050. Eine Erreichung dieses Ziels ist nur dann
möglich, wenn die verbleibende Energieversorgung umgestellt wird.
Aktiver Treiber dieses Prozesses können die Stadtwerke sein. Die
Entwicklung langfristiger Konzepte ist als Reaktion auf den sinkenden
Wärmebedarf im Absatzgebiet notwendig. Zudem gilt es, die
Klimaschutzziele der eigenen Kommune zu unterstützen und dem Wunsch der
Verbraucher nach einer klimaschonenden Energieversorgung nachzukommen.
Jedes kommunale Klimaschutzkonzept wird durch die Beteiligung der
lokalen Stadtwerke entscheidend aufgewertet, weil Ziele und Maßnahmen
aus den tatsächlichen Verbrauchsdaten abgeleitet und die aktuellen
Versorgungsstrukturen berücksichtigt werden können. Erst über die
Verknüpfung von Versorgung und Verbrauch mit Daten zum
Effizienzpotenzial der Gebäude entsteht ein umfassendes Bild des
Energiebedarfs in einzelnen Bezirken, Stadtteilen oder Quartieren.
Anhand dieser Daten erfolgt eine Kategorisierung von Stadtgebieten zu
homogenen Clustern oder Stadtraumtypen, welche die Entwicklung lokaler
oder regionaler Wärmeversorgungskonzepte ermöglicht.
Im Zentrum dieser Stadtraum-Konzepte steht die Versorgung mit Wärme. Je
nach lokaler Verbrauchs- und Infrastruktur sind drei Optionen, deren
Kombination möglich ist, zu prüfen:
- Zentrale Fernwärmeversorgung
Aufbau, Ausbau und Verdichtung von Wärmeversorgungsnetzen kommen
insbesondere in dichtbesiedelten Gebieten in Frage. Vorzugsweise werden
sie über KWK-Anlagen beliefert. Zur Minimierung der CO
2-Fracht gilt es,
Vorlauftemperaturen zu senken und die Einspeisung aus erneuerbaren
Energien zu verstärken.
Wo keine Fernwärmeinfrastruktur besteht und Wärmedichten zwischen
Stadtteilen oder Quartieren stark variieren, bietet sich der Aufbau von
Nahwärmenetzen auf Basis von BHKW an. Eine Einbindung dezentraler
erneuerbar erzeugter Wärme ist dabei aufgrund der niedrigen
Vorlauftemperaturen leichter umsetzbar als bei Fernwärme.
- Einbindung erneuerbarer Energien in die Wärmeversorgung
Nachhaltig gesenkt werden kann die CO
2-Fracht der
Wärmeversorgung nur durch den Umstieg auf erneuerbare Energien. Abseits
der bereits vielerorts verwendeten Biomasse können auch Geothermie und
dezentrale Solarthermieanlagen wichtige Pfeiler eines
Wärmeversorgungskonzeptes darstellen.
Im Zuge des neuen Erneuerbaren-Wärme-Gesetzes – und der darin
vorgeschriebenen Vorbildfunktion für öffentliche Gebäude – sowie durch
auslaufende Konzessionsverträge steht die Wärmeversorgung in vielen
Kommunen ganz oben auf der Agenda. Stadtwerke sollten dies zum Anlass
nehmen, um in Zusammenarbeit mit der Kommune ein Versorgungskonzept »aus
einem Guss« zu entwickeln und gleichzeitig ihre Wärmeversorgung
zukunftsfähig zu machen.