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Kommunaler Klimaschutz: Wärmekonzept 2020

/ 01. August 2011 /

TRENDreport Endkunden, August 2011

Was mit internationalen Klimaschutzgipfeln der Staats- und Regierungschefs begann und mit deutlicher Verzögerung in nationale Politiken umgesetzt wird, ist in den deutschen Kommunen längst angekommen. Überall stellen sich Kommunen auf die Auswirkungen des Klimawandels ein und ergreifen die Initiative bei der Formulierung eigener Klimaschutzziele und der Erstellung von Klimaschutz- und Energieversorgungskonzepten.

Am Beispiel der Freien und Hansestadt Hamburg wird dabei deutlich, dass sich jede Kommune in einer anderen Ausgangslage befindet und vor individuellen Herausforderungen steht. Während die Großstadt Hamburg auf der Infrastrukturseite eines der größten Fernwärmenetze Deutschlands als Vorteil verbuchen kann, fehlt es ihr am Eigentum über die Energienetze und somit an Einfluss auf die CO2-Fracht der Fernwärme. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Stadt mit dem Bau des Steinkohlekraftwerks in Moorburg und mit Bürgerprotesten gegen den Bau der Fernwärmetrasse, die es an das Netz anschließen soll, auseinandersetzen muss.

Dennoch will Hamburg die energiebedingten CO2-Emissionen bis 2020 um 40% im Vergleich zu 1990 verringern, wofür der jährliche CO2-Ausstoß gegenüber 2006 um 5,5 Mio. Tonnen reduziert werden müsste. Den größten Beitrag soll dabei – wie in vielen anderen Kommunen – die Wärmeversorgung leisten. Die politisch angekündigten Anstrengungen zur Dämmung des Altbaubestandes haben zur Folge, dass die Bedarfsanalysen vieler Energieversorger Rückgänge beim Wärmebedarf von 15–20% bis 2020 aufweisen. Bis 2050 könnte sich der Wärmebedarf und somit das Absatzpotenzial mehr als halbieren.

Dabei kann aber auch die Erreichung dieser Effizienzziele keineswegs vorausgesetzt werden. Vielmehr stellen auch sie finanziell und politisch erhebliche Herausforderungen dar. So ist z. B. der Hamburger Wohngebäudebestand traditionell durch Klinkerfassaden geprägt. Soll dieser Charakter bewahrt werden, stellt dies für energetische Sanierungsprogramme eine nicht zu unterschätzende Hürde dar.

Darüber hinaus steht fest, dass die anspruchsvollen Klimaschutzziele nicht allein durch Effizienzmaßnahmen und Verbrauchseinsparung erreicht werden können. 80–95% CO2‑Einsparung sind das Ziel der Bundesregierung bis 2050. Eine Erreichung dieses Ziels ist nur dann möglich, wenn die verbleibende Energieversorgung umgestellt wird.

Aktiver Treiber dieses Prozesses können die Stadtwerke sein. Die Entwicklung langfristiger Konzepte ist als Reaktion auf den sinkenden Wärmebedarf im Absatzgebiet notwendig. Zudem gilt es, die Klimaschutzziele der eigenen Kommune zu unterstützen und dem Wunsch der Verbraucher nach einer klimaschonenden Energieversorgung nachzukommen.

Jedes kommunale Klimaschutzkonzept wird durch die Beteiligung der lokalen Stadtwerke entscheidend aufgewertet, weil Ziele und Maßnahmen aus den tatsächlichen Verbrauchsdaten abgeleitet und die aktuellen Versorgungsstrukturen berücksichtigt werden können. Erst über die Verknüpfung von Versorgung und Verbrauch mit Daten zum Effizienzpotenzial der Gebäude entsteht ein umfassendes Bild des Energiebedarfs in einzelnen Bezirken, Stadtteilen oder Quartieren. Anhand dieser Daten erfolgt eine Kategorisierung von Stadtgebieten zu homogenen Clustern oder Stadtraumtypen, welche die Entwicklung lokaler oder regionaler Wärmeversorgungskonzepte ermöglicht.

Im Zentrum dieser Stadtraum-Konzepte steht die Versorgung mit Wärme. Je nach lokaler Verbrauchs- und Infrastruktur sind drei Optionen, deren Kombination möglich ist, zu prüfen:
  • Zentrale Fernwärmeversorgung
Aufbau, Ausbau und Verdichtung von Wärmeversorgungsnetzen kommen insbesondere in dichtbesiedelten Gebieten in Frage. Vorzugsweise werden sie über KWK-Anlagen beliefert. Zur Minimierung der CO2-Fracht gilt es, Vorlauftemperaturen zu senken und die Einspeisung aus erneuerbaren Energien zu verstärken.
  • Dezentrale KWK-Lösungen
Wo keine Fernwärmeinfrastruktur besteht und Wärmedichten zwischen Stadtteilen oder Quartieren stark variieren, bietet sich der Aufbau von Nahwärmenetzen auf Basis von BHKW an. Eine Einbindung dezentraler erneuerbar erzeugter Wärme ist dabei aufgrund der niedrigen Vorlauftemperaturen leichter umsetzbar als bei Fernwärme.
  • Einbindung erneuerbarer Energien in die Wärmeversorgung
Nachhaltig gesenkt werden kann die CO2-Fracht der Wärmeversorgung nur durch den Umstieg auf erneuerbare Energien. Abseits der bereits vielerorts verwendeten Biomasse können auch Geothermie und dezentrale Solarthermieanlagen wichtige Pfeiler eines Wärmeversorgungskonzeptes darstellen.

Im Zuge des neuen Erneuerbaren-Wärme-Gesetzes – und der darin vorgeschriebenen Vorbildfunktion für öffentliche Gebäude – sowie durch auslaufende Konzessionsverträge steht die Wärmeversorgung in vielen Kommunen ganz oben auf der Agenda. Stadtwerke sollten dies zum Anlass nehmen, um in Zusammenarbeit mit der Kommune ein Versorgungskonzept »aus einem Guss« zu entwickeln und gleichzeitig ihre Wärmeversorgung zukunftsfähig zu machen.
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