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Vom Energielieferanten zum Systemdienstleister – Ein Blick voraus in die Zukunft

/ 01. August 2011 /

TRENDreport Expansion, August 2011

CO2-freie Energiewirtschaft nach 2050: Die Reaktion auf den Klimawandel ist heute der größte Veränderungstreiber für die Energiewirtschaft. Ein CO2-Vermeidungsziel von mehr als 80% heißt in aller Konsequenz, auf den Einsatz fossiler Energien nahezu vollständig zu verzichten. Dies gilt nicht nur für Braun- und Steinkohle, sondern auch für Öl und Erdgas.

Ein Wärmemarkt ohne fossile Energien verlangt Energieeffizienzmaßnahmen an Gebäuden, Nutzung der Solarthermiepotenziale, Nutzung regenerativen Stroms (Geothermie, Speicherheizung). Neubauten werden Passivhausstandard haben. Altbauten werden CO2-Vermeidung durch regenerative Energie erreichen müssen. Die heutige Wärmemarktinfrastruktur wird zurückgebaut werden, außer regenerativer Strom kann effektiv in Brenngase (Methan) umgewandelt und gespeichert werden.

Die Elektromobilität wird unterschätzt. Wer eine Emobil gefahren ist, der ist vollkommen begeistert. Einfach, leise, dynamisch. Der Entwicklungsstand von Speichertechnologien ist Bremse bei der Marktentwicklung. Wenn dies gelöst ist, wird die Automobilindustrie revolutioniert werden. Und es werden zigtausende MW Lade- und Entladeleistung am Netz sein und einen wesentlicher Teil des energiewirtschaftlichen Gesamtsystems sein.

Die Welt wird dezentral und vernetzt. Dieser Trend macht vor der Energiewirtschaft nicht halt. Er wird für Technologien und Unternehmen Anpassung oder Verdrängung zur Folge haben. Neue Technologien eröffnen den Weg zu einer Dezentralisierung der Stromerzeugung. Technologien für dezentrale Erzeugung schaffen bei Kunden neue Bedürfnisse. Die Bürger wollen beteiligt sein.

Die Vorstellung einen durch Effizienzmaßnahmen deutlich reduzierten Energiebedarf nahezu vollständig durch regenerative Energien zu decken, ist heute – anders als vielleicht vor fünf Jahren noch – keine Utopie mehr. Die zentrale Herausforderung ist es den Bedarf und das Angebot von Energie zu synchronisieren und zwar mit der erforderlichen Versorgungszuverlässigkeit.

Nachdem der Klimaschutz unumstrittener gesellschaftlicher Konsens geworden sein wird, werden vorrangig Versorgungssicherheit, Effizienz und Bezahlbarkeit die Treiber der Zukunft sein.

Am Ende werden wir ein komplexes System aus steuerbaren Kapazitäten benötigen. Mit einem Kapazitätsmarkt wird ein neues Segment geschaffen werden, dass Treiber für Innovations- und Effizienzwettbewerb werden wird.

In einer von regenerativen Energiequellen, insbesondere Wind und Sonne, dominierten Energiewelt werden die Grenzkosten für Strom und Wärme gegen Null tendieren, also die elektrische und thermische Arbeit keine signifikanten variablen Kosten mehr verursachen.

Der Markt wird zwei Dienstleistungsarten nachfragen:
  • Die Endkunden werden eine zuverlässige Versorgung mit Energie bei möglichst effizienter Integration ihrer dezentralen Erzeugungsanlagen in das Gesamtsystem erwarten.
  • Der Systembetreiber (ISO) wird steuerbare Kapazitäten nachfragen, die im Gesamtsystem physisches Angebot und physische Nachfrage synchronisieren.
Der Energielieferant wird Systemdienstleister. Die Komplexität seiner Produkte wird rasant zunehmen. Sie werden Fixkosten-dominiert sein. Er wird Deckungsbeiträge aus Erlösen für Leistungen bei Endkunden und aus Erlösen für Leistungen im Gesamtsystem erwirtschaften.

Was früher »Messen, Steuern, Regeln« (MSR) hieß, heißt heute »Smart«. Smart-Meter sind ein Schlüsselbaustein: ermitteln Daten, sind Kommunikationseinheit, sind Schnittstelle zur Steuerung von Nachfrage (Abschalten von Verbrauch) und Angebot (Einspeisung dezentral). Das Beherrschen von komplexen Prozessen, wachsendem Datenaufkommen und entsprechend aufwendiger IT-Systeme wird zum Schlüsselfaktor.

Die Energiewende ist eine Revolution in der Energiewirtschaft. Die Herausforderungen übersteigen um ein Vielfaches das, was Liberalisierung und Regulierung in den vergangenen 12 Jahren mit sich gebracht haben. Die Energiewende ist ein Prozess. Die Unternehmen sind heute orientierungslos auf der Suche nach dem Anfang, der zum Weg in eine CO2-freie Welt hinführt. Wo geht es los?

  • Wärmemarktkonzept
  • Dezentrale Erzeugung
  • Ergänzung regenerativer Energien in der Übergangszeit
  • Elektromobilität
  • Kapazitätsarten: Erzeugung, Speicher, steuerbare Lasten, Übertragungskapazitäten, Verteilkapazitäten
  • Kapazitätsmanagement, Kapazitätsmärkte
  • Smart-Meter, Systemdienstleistungen.
Es ist an der Zeit, neue Strategien zu entwickeln!
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