Deutscher Gasmarkt
Neue Rahmenbedingungen für den Erdgasmarkt stellen das traditionelle Geschäftsmodell vieler etablierter Gasversorger infrage. Die entscheidenden Voraussetzungen für Gas-zu-Gas-Wettbewerb in Deutschland werden jetzt geschaffen: mit der Integration der nordwesteuropäischen Märkte, einem vereinfachten Netzzugangsmodell und der Untersagung langfristiger Lieferverträge mit hoher Bedarfsdeckung zwischen Weiterverteilern.
Dabei zeigt sich in der ersten Phase der Liberalisierung ein Trend, der schon zu Beginn der Liberalisierung des Strommarktes zu beobachten war: Die Unternehmen, die als erste Kompetenzen in der Beschaffung an den OTC-Märkten aufgebaut haben, können sich erhebliche Wettbewerbsvorteile verschaffen. Sie profitieren von dem gravierenden Spread zwischen den OTC-Preisen und dem Preisniveau der traditionellen Kommunalgasverträge.
Dabei unterscheiden sich die Preisniveaus langfristig betrachtet nicht wesentlich voneinander. Der Spread zwischen OTC und Kommunalgas wird vielmehr durch unangemessen hohe Margen auf der Importstufe hervorgerufen. Die Kommunalgasverträge sind mit einem steileren Anstieg an die HEL-Preise gekoppelt als die Importverträge. Während diese Asymmetrie auf einem HEL-Preisniveau von 15 bis 20 Euro/hl noch zu einer fairen Marge für den Importeur führte, steigt sie bei jenseits der 50 Euro/hl um ein Mehrfaches.
Diese zuwachsende Marge nutzten die Importeure vorrangig zur Kundenbindung (Gewährung von Rabatten), dem Einstieg in neue Märkte und zur Erhöhung ihrer Profitabilität. Allerdings werden neue Wettbewerber dadurch angezogen, weil für sie entsprechende Vertriebsmargen entstehen. Deshalb sind die Importeure dazu übergegangen, den Anstieg der HEL-Preisformeln abzuflachen und bei steigenden Ölpreisen auf einen Teil ihres Margenzuwachses zu verzichten. Im Gegenzug verbessern sie damit aber ihre Position bei fallenden Ölpreisen.
Die traditionelle Preisbildung im Großhandel als Netback des Marktwertes von Gas in unterschiedlichen Endkundensegmenten wird ohnehin bald der Vergangenheit angehören. Die im Entstehen begriffene neue Marktordnung mit Erfüllung aller Verträge zwischen Gasversorgern am virtuellen Handelspunkt erzwingt letztlich eine Konvergenz der Endkundenmärkte. Kein Gasversorger ist mehr bereit, für ein bestimmtes Marktsegment einen Preis zu vereinbaren, der signifikant unterhalb des Marktpreises für die Commodity Gas liegt.










