Für Versorger werden die Spielräume zur Generierung von Wertschöpfung in den Bereichen Midstream und Downstream aufgrund von Regulierung und zunehmendem Wettbewerb immer enger. Ein Engagement im Gasexplorations- und Produktionsgeschäft in Verbindung mit dem Aufbau eigener Stromerzeugungskapazitäten eröffnet neue Chancen für Energieversorger.
Getrieben durch die Liberalisierung entstehen europaweit zunehmend liquide und transparente Großhandelsmärkte. In der Folge entwickeln sich die Märkte für Haushalts-, Industrie- und Kraftwerksgas weg von der traditionellen marktwertorientierten hin zu einer einheitlichen marktpreisbasierten Preisbildung.
Die künftigen Quellen für Kraftwerksgas müssen deshalb
- eine wettbewerbsfähige Stromerzeugung und
- einen adäquaten Umgang mit den Preis- und Mengen-Risiken ermöglichen.
Der Zugriff auf eine eigene Gasförderung kann dies sicherstellen. Beispiele für deutsche Marktteilnehmer mit Aktivitäten im Upstream-Bereich sind Bayerngas, Trianel und VNG.
Ressourcen zur Deckung des künftigen Gasbedarfs finden sich in erster Linie außerhalb Europas in den GUS-Staaten, im Nahen Osten und in Afrika. Jedoch erschweren die dominierende Rolle des Staates und die politische Instabilität in diesen Ländern ein Engagement im Upstream-Sektor.
Attraktiver erscheinen demgegenüber Produktionsaktivitäten in den europäischen Nordseeförderländern Norwegen, Großbritannien, Dänemark, Niederlande und Deutschland. Die besten Aussichten für ein solches Engagement bietet Norwegen, da dort auch in Zukunft noch mit einem weiteren Anstieg der Produktion gerechnet werden kann.
Die Anzahl der in der norwegischen Öl- und Gasförderung tätigen Unternehmen hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verfünffacht. Waren früher im Wesentlichen große internationale Unternehmen in der Exploration und Produktion tätig, so sind mittlerweile viele kleinere Unternehmen hinzugekommen. Bei der Verteilung von Betriebslizenzen für Öl- und Gasfelder werden zunehmend auch ausländische Unternehmen berücksichtigt.
Da Erdgas aufgrund seiner natürlichen Entstehung häufig in Verbindung mit Erdöl vorkommt, ist die Erdölförderung im Rahmen von Produktionsaktivitäten mitzubetrachten. Die Vermarktung des mitgeförderten Erdöls kann jedoch durch entsprechende marktkundige Dienstleister erfolgen.
Anreize für den Upstream-Einstieg ergeben sich derzeit insbesondere aus dem vorherrschenden Ölpreisniveau sowie aus Finanzierungsvorteilen, die aus der Wirtschafts- und Finanzkrise resultieren:
- Trotz eines momentan wieder tendenziell ansteigenden Ölpreises zögern viele Investoren dennoch mit einem Engagement im Upstream-Sektor für Öl und Gas.
- Durch die seit vergangenem Jahr gesunkenen Ölpreise werden Beteiligungen an Öl- und Gasfeldern niedriger bewertet.
- Die derzeitige Wirtschafts- und Finanzkrise erschwert gerade kleinen, kapitalschwächeren Firmen den Zugang zu Krediten für Investitionen.
- Einige Inhaber von Förder- und Explorationslizenzen sehen sich daher offenbar gezwungen, Lizenzen zu verkaufen.
Die aktuelle Marktsituation bietet demzufolge eine Chance für einen antizyklischen Einstieg in den Upstream-Sektor bei überschaubarem Risiko in Bezug auf die Erlöse.
Mit einem Einstieg in die Gasproduktion ist die Option verbunden, Investitionen in gasbasierte Stromerzeugungskapazitäten abzusichern. Dabei dienen die Kosten für die eigene Gasproduktion der Absicherung der Kosten einer Gasbeschaffung am Markt.
Obwohl bei einer integrierten Gasverstromung auch die Brennstoffbeschaffung durch die Investition in ein Gasfeld für den Zeitraum der Förderdauer bereits sichergestellt ist, liegen diese Investitionskosten in etwa in der gleichen Größenordnung, wie sie für den Bau von Kohlekraftwerken anfallen.
Aufgrund der geringen variablen Kosten der Gasförderung erfolgt die Stromerzeugung bei einer integrierten Gas-to-Power-Strategie – vergleichbar mit einem Braunkohlekraftwerk – de facto zu Fixkosten. Während somit der Vorteil eines Braunkohlekraftwerks – die Grundlastfähigkeit – auch für das GuD-Kraftwerk besteht, hat der Betreiber des GuD-Kraftwerks darüber hinaus die Vorteile:
- das Kraftwerk flexibler einsetzen zu können und
- bei Kraftwerksstillstand das nicht benötigte Gas auf einem liquiden Markt verkaufen zu können.
Eine integrierte Gaserzeugungs- und Verstromungsstrategie kann daher insbesondere bei der gegenwärtigen Marktsituation ein interessantes Investment darstellen.