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Entwicklung der Netznutzngsentgelte

/ 01. Dezember 2010 /

TRENDreport Endkunden, Dezember 2010

Zum bevorstehenden Jahreswechsel haben viele Stromversorger ihre Haushaltskundentarife bereits angepasst bzw. befinden sich mitten im Prozess der Preisgestaltung. Nachdem die Berechnung und Veröffentlichung der EEG-Umlage mittlerweile bundesweit einheitlich und transparent ist, bilden für viele Stromvertriebe nunmehr die Netznutzungsentgelte (NNE) den größten Unsicherheitsfaktor bei der Preiskalkulation.

Vor allem für Marktangreifer und Stromversorger, die eine überregionale oder deutschlandweite Vertriebsstrategie verfolgen, ist die Kenntnis aller lokalen Netznutzungsentgelte zum Zeitpunkt der Kalkulation und während der Gültigkeit des Preises von sehr hoher Bedeutung für einen wettbewerbsfähigen und wirtschaftlichen Endkundentarif.

Gemäß Anreizregulierung unterliegt die Netzentgeltentwicklung während einer Regulierungsperiode vielen Einflussfaktoren. Diese Faktoren sind zum Teil der Höhe nach bekannt, teilweise jedoch nur schwer im Voraus quantifizierbar. Die Treiber sowie die LBD-Einschätzung zur Entwicklung der NNE für Haushaltskunden in den kommenden Jahren dieser Regulierungsperiode werden nachfolgend beschrieben.

Für den Vertrieb leicht abschätzbare bzw. bekannte Treiber sind die Preisentwicklung aus dem individuellen Effizienzwert sowie die für alle Unternehmen gleichen Faktoren der Geldwertentwicklung und des generellen sektoralen Produktivitätsfaktors. Der Produktivitätsfaktor liegt bei 1,25% für die 1. und 1,5% für die 2. Regulierungsperiode und senkt die NNE. Für die jährlich zu ermittelnde, allgemeine Geldwertentwicklung (Verbraucherpreisindex) gehen wir von folgenden Werten aus: 2009: 2,60%, 2010: 2,40%, 2011: 0,60%. Für die 1. Regulierungsperiode kann somit die Geldwertentwicklung im Schnitt oberhalb des sektoralen Produktivitätsfortschritts liegen.

Im Bezug auf die individuelle Effizienzvorgabe ist zu berücksichtigen, dass viele große Unternehmen einen Effizienzwert von 100% haben und somit allein aus diesen Faktoren keine NNE-Senkung zu erwarten ist. Der mengengewichtete Durchschnitt für die Netzbetreiber mit 75% des bundesweiten Letztverbrauchs in der laufenden Regulierungsperiode beträgt ca. 96,5%. Viele Netzbetreiber mit weniger als 30.000 Stromkunden nutzen das vereinfachte Verfahren. Für die 1. Regulierungsperiode wurde für sie der Effizienzwert mit 87,5% bestimmt und für die 2. Periode mit 96,14% ermittelt. Der Effizienzwert kann daher nur bei kleinen Netzbetreibern innerhalb dieser Regulierungsperiode einen Beitrag zur Senkung bzw. Dämpfung der Steigerung der NNE leisten.

Schwieriger abzuschätzen ist die Höhe der vermiedenen Netznutzungsentgelte (vNNE). Die vNNE-Anrechnung bei der EEG-Einspeisung wird im Jahr 2010 um ca. 2 Mrd. Euro und im Jahr 2011 voraussichtlich um 4,0–4,5 Mrd. Euro steigen. Da den steigenden vNNE kaum sinkenden Kosten gegenüber stehen, wird der überwiegende Teil der Kosten mit einer zeitlichen Versetzung wieder bei den Haushaltskunden ankommen. Die neuen Vergütungsregelungen für Betreiber von Photovoltaik mit Eigenverbrauch können ebenfalls zur Notwendigkeit einer Umverteilung der Kosten führen.

Weitere Effekte, die tendenziell eine Erhöhung der Netzentgelte zur Folge haben können, sind Investitionsbudgets und Mehrkosten aus Erdkabeln, pauschalierte Investitionszuschläge oder auch individuelle NNE nach § 17 StromNEV und die Entwicklung der Fremdkapitalzinsen. Bei diesen Faktoren ist jedoch ohne Detailkenntnisse schwer abschätzbar, welche Kosten wann und in welchem Umfang auf die NNE wirken.

Besonders bundesweit tätige Energievertriebe werden künftig eine Systematik bzw. ein Marktmodell zur Abschätzung der Entwicklung der Netzentgelte benötigen. Dazu bedarf es einer qualifizierten Prognose der Treiber und einer systematischen Aufbereitung der hier dargestellten Einflussfaktoren.

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