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Was tun bei 200 Euro Beschaffungskostennachteil?

/ 01. März 2010 /

TRENDreport Endkunden, März 2010

Großansicht Preiskalkula- tion bei rollierender Beschaffung am Großhandels- markt
Die Beschaffungskosten sind der wesentliche Treiber für die Wettbewerbsfähigkeit im Strom- und Gasvertrieb. Viele Marktverteidiger decken ihren Strombedarf für Haushaltskunden über langfristig orientierte Beschaffungsstrategien, welche den Einfluss steigender Marktpreise in der Produktkalkulation begrenzen, in Zeiten fallender Preise jedoch das Gegenteil bewirken. Beim Gas dominieren noch die traditionellen, ölindexierten Lieferverträge, deren Preisniveau derzeit spürbar über den OTC-Preisen liegt.

Marktverteidiger stehen im Wettbewerb zu Marktakteuren, die kurzfristig beschaffen und durch das niedrige Marktpreisniveau derzeit in der Lage sind, bei gleichen Kosten für den Verbraucher erheblich höhere Vertriebsmargen zu realisieren oder mit für den Verbraucher deutlich günstigeren Angeboten eine immer noch auskömmliche Marge zu erzielen. 
Die Abbildung erläutert die Preiskalkulation für einen typischen Stromkunden.

Bei diesem Beispiel würden aus Sicht des Marktverteidigers und unter Annahme einer Beschaffungsstrategie mit einem rollierenden, sechs Monate vor Lieferbeginn endenden Einkauf über 18 Monate rund 
84 Euro/Kunde zur Deckung der jährlichen Vertriebskosten verbleiben. Ein Marktangreifer mit einer kurzfristigen Beschaffung im Dezember 2009 für das Jahr 2010 hätte gegenüber dem Marktverteidiger aufgrund der um 66 Euro/Kunde geringeren Beschaffungskosten ein 
Margenpotenzial von rund 150 Euro/Kunde/Jahr.

Beim Gasverkauf ist der Beschaffungskostenvorteil der Marktangreifer noch größer. Für einen typischen Verbrauch von 20.000 kWh/Jahr liegen die Beschaffungskosten bei einer marktnahen Beschaffung am virtuellen Handelspunkt je nach Marktgebiet um 160 bis 220 Euro/Kunde unter denen ölindexierter Gaslieferverträge.

Dass beim Gas traditionell höhere Vertriebsmargen als beim Strom erzielt werden, zeigt ein Blick auf ganz Deutschland. In den meisten Versorgungsgebieten läge das Margenpotenzial eines Marktangreifers, der sein Gasprodukt für das Jahr 2010 preisgleich zum günstigsten Produkt des Grundversorgers anbieten würde und marktnah beschafft hätte, bei über 150 Euro/Kunde/Jahr. Dies lässt sich u.a. darauf zurückführen, dass viele Marktverteidiger ihr Margenniveau noch halten können und die Preisspreizung zwischen ölindexierten Verträgen und marktbasierter Beschaffung derzeit sehr hoch ist.

Die analoge Betrachtung für Strom offenbart ein Vertriebsmargenpotenzial von rund 
100 Euro/Kunde/Jahr in den meisten Versorgungsgebieten und verdeutlicht einerseits den Preisverfall der Großhandelsmarktpreise seit 2008 und andererseits dass die Marktverteidiger ihre Preispolitik inzwischen margenorientierter ausrichten (Prinzip »Rentabilität vor Marktanteil«).

Sowohl beim Gas als auch beim Strom ist der Preisvorteil der Marktangreifer zurzeit immens. Damit verbunden ist eine hohe Verwundbarkeit der Marktverteidiger hinsichtlich Marktanteil und Marge.

Margenverzicht zur Beibehaltung der Wettbewerbsfähigkeit ist keine Lösung, wenn ein Marktverteidiger mit seinem Strom- 
und Gasverkauf weiterhin Geld verdienen und keine Kunden verlieren will. Nur eine Umstellung im Beschaffungsportfolio schafft hier Abhilfe.

Für die Gasbelieferung von Haushaltskunden zu marktnahen Preisen ist – allein oder mit Partnern – die Umstellung auf eine strukturierte Beschaffung erforderlich. Mindestens sollte jedoch im Wettbewerb eine Aufnahme von gasmarktindexierten oder Fixpreiselementen bzw. – für den ölgebundenen Teil des Portfolios – deutliche Rabatte erreicht werden.

Für eine wettbewerbsfähige Stromversorgung ist eine langfristig orientierte Beschaffungsstrategie auf jeden Fall sinnvoll. Da ein rollierender Einkauf am Großhandelsmarkt für sich genommen jedoch nicht ausreicht, sind zusätzlich die ständige Beobachtung der Portfolioentwicklung und eine Stop-Loss-Strategie zu empfehlen, da mögliche Verluste bei fallenden Preisen auf diese Art begrenzt werden können. Das Stop-Loss-Limit sollte sich dabei an der Höhe des definierten Risikokapitals für den Stromhandel im Unternehmen orientieren.

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quartalsweise erscheinende LBD-EXPLORER vertrieb ab April. Informationen erhalten Sie unter 030. 617 85 378 oder hilmar.kobel@lbd.de.
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