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Tagespreise und gleitende Mittelwerte Jahresfuture 2010
Seit den Höchstständen am Terminmarkt um 90 Euro/MWh für die Baseload-Jahresfuture-Terminprodukte an der EEX Mitte des Jahres 2008 haben sich die Strompreise deutlich reduziert. Ende Februar 2009 erreichten die Preise für den Baseload-Future des Jahres 2010 ihren bisherigen Jahrestiefststand. Seitdem ist eine Seitwärtsbewegung der Terminmarktpreise zu beobachten. Dieser nachhaltige Rückgang der Terminmarktpreise schafft Erwartungen, niedrigere Beschaffungskosten an die Privatkunden weiterzugeben. Marketing-Experten diskutierten dies im Rahmen des Erfahrungsaustausches Marketing der LBD. Preissenkungen stehen jedoch auf Seite der Energieversorger verschiedene Aspekte entgegen.
Die Beschaffungskosten reagieren auf die Preisspitze der Terminmarktpreise in 2008 je nach umgesetzter Strategie des Unternehmens unterschiedlich stark und mit unterschiedlicher zeitlicher Verzögerung. Hierfür gibt es zwei Einflussfaktoren: den Beschaffungszeitraum und den zeitlichen Abstand zwischen Ende der Beschaffung und Lieferbeginn. Langfristig ausgelegte Beschaffungsstrategien mit mehrjährigen Beschaffungszeiträumen reagieren auf Schwankungen am Terminmarkt weniger sensibel als kurzfristig ausgelegte. Diese langfristigen, zumeist von Marktverteidigern angewandten Strategien sichern eine hohe Preiskontinuität und verhinderten, dass die Preisspitze in 2008 auf die Privatkundenpreise in voller Höhe durchschlug. Kurzfristig ausgerichtete Strategien dagegen gewährleisten marktnahe Preise und geben Preisspitzen und -täler sehr viel stärker weiter.
Zur Intensität der Preisschwankungen kommen Timelags (Zeitverschiebungen), begründet durch den zeitlichen Abstand zwischen Beschaffungsende und Lieferbeginn. Lange Timelags führen dazu, dass in der Beschaffung für 2009 nur ein Teil der Preisspitze des Jahres 2008 enthalten war.
Die Abbildung zeigt Strategien mit unterschiedlich langen Beschaffungszeiträumen mit drei bzw. sechs Monaten Timelag und den jeweils zum Ende des Beschaffungszeitraums realisierten Preisen.
Alle Energievertriebe werden ab 2010 nach dem neuen EEG-Ausgleichsmechanismus eine gemeinsame EEG-Umlage ausweisen. Die Entwicklung der EEG-Vergütungen wird auch in Zukunft eine steigende Umlage bedeuten, die sich in den Verbraucherpreisen niederschlägt. Für 2010 kann von einer Erhöhung der EEG-Menge um ca. 21% ausgegangen werden.
Rückläufige Abnahmemengen im Gewerbe- und Industriekundensegment stehen möglichen Preissenkungen entgegen. Diese niedrigeren Abnahmemengen führen zu Glattstellungsverlusten, da bei hohen Preisen zuviel beschaffte Mengen zu jetzt niedrigeren Preisen veräußert werden müssen. Eine mangelnde Trennung der Subportfolien nach Kundengruppen führt dazu, dass diese Verluste nicht vollständig verursachungsgerecht zugeordnet werden können. Diese Verluste werden somit teilweise auf Privatkunden umgelegt werden.
Eine weitere Unsicherheit für die Privatkundenpreise liegt in den Netzentgelten der Energieversorger und Netzbetreiber. Insbesondere bei Verteilnetzbetreibern mit hohen Effizienzwerten werden die sinkenden Entgelte in den Verteilnetzen durch steigende Entgelte in vorgelagerten Netzen überkompensiert. Über die gesamte Regulierungsperiode ist eher ein moderater Anstieg in der Summe der Netzentgelte zu erwarten.
Im Zusammenhang mit Netzentgelten haben auch Mehrerlösabschöpfungen aufgrund rückwirkend genehmigter Netzentgelte einen Einfluss auf die Preise. Die aus zu hoch angesetzten Netzentgelten resultierenden Mehrerlöse werden entsprechend Regulierungsauflagen in Folgeperioden abgeschöpft. Daraus entsteht für integrierte Unternehmen ein Ertragsproblem, welches sich über gesteigerte Margenerwartungen an den Vertrieb auf die Endkundenpreise auswirkt.
Von BDEW oder der aktuellen Verivox-Studie werden Erwartungen auf Preissenkungen geweckt. Unternehmen die diese Erwartungen nicht erfüllen können, müssen mit erhöhten Kundenverlusten rechnen. Dass die Kunden in 2009 von den langfristigen Strategien profitiert haben, wird von den Wechselkunden nicht honoriert. Jeder Vertrieb muss prüfen, ob er seinen Kunden die Vorteile langfristiger Beschaffungsstrategien kommunizieren kann. Wechselkunden treffen auf Wettbewerber mit kurzfristigen Beschaffungen, deren Preisvorteil nicht über Margenverzicht kompensiert werden kann.