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Beschaffung optimieren mit Smart-Meter-Tarifen – Ermittlung konkreter Potenziale

/ 01. April 2011 /

TRENDreport Effizienz, April 2011

Großansicht Analysierte Cluster
Die Beschaffung steht vor großen Herausforderungen aus der allgemeinen Marktentwicklung und dem Wettbewerb um margenstarke Kunden, der unter anderem mit Smart-Metering-Produkten geführt wird. Variable Tarife können dabei als Instrument genutzt werden, diesen Herausforderungen zu begegnen und erhebliche wirtschaftliche Potenziale aus der Beschaffungsoptimierung zu realisieren. Das ist Ergebnis einer Studie der LBD für EVB Energy Solutions und Trianel, in der erstmals konkrete Messdaten von Haushaltskunden ausgewertet wurden.

Bereits aus der Marktentwicklung in Erzeugung, Handel und Vertrieb erwachsen Herausforderungen für EVU, die sich auf nahezu alle Prozesse in Vertrieb, Beschaffung und Bilanzierung auswirken:
  • Netzintegration dezentraler und erneuerbarer Energieerzeugung,
  • steigende Volatilität der Großhandelspreise,
  • Unsicherheit der Marktpreisentwicklung,
  • Mikrosegmentierung und Wettbewerb um besonders lohnende Kundensegmente.
Als Konsequenz daraus werden sich die Risiken in der Beschaffung erhöhen. Diese werden sich in höheren Preisen für Endkunden niederschlagen. Im bestehenden Bilanzierungssystem gibt es bereits Optimierungsmöglichkeiten, diese sind jedoch begrenzt. Möglich sind etwa eine Anpassung des bisher verwendeten Standardlastprofils (SLP) oder die Optimierung der bestehenden Beschaffungsstrategie und -prozesse. Allerdings sind im SLP-Bereich keine Anreize einsetzbar, die eine Abbildung des Beschaffungsrisikos im Tarif je nach Verbrauchsverhalten ermöglichen.

Voraussetzung dafür ist ein Bilanzierungsverfahren für Haushaltskunden, das den Zählerstandsgang individueller Kunden oder Kundensegmente berücksichtigt. Erst mit einem solchen Verfahren können Vertriebe Verbrauchsanreize über variable Tarife an ihre Kunden weitergeben und dies beschaffungsseitig abbilden – und nur dann können direkte wirtschaftliche Vorteile für den Vertrieb entstehen. Weitere Voraussetzung dafür ist ein ausdifferenziertes Portfolio- und Beschaffungsmanagement.

Variable Tarifmodelle können entlang einer Bandbreite gestaltet werden, von statischen Zweistufentarifen über unterjährige Stufenanpassungen oder Events bis hin zu dynamischer Preisänderung entsprechend aktueller Marktpreise. Wirtschaftliche Vorteile für den Lieferanten entstehen aus folgenden Punkten:Verbesserung der Prognosegenauigkeit: Mengenrisiken werden reduziert, wenn genauere Verbrauchsdaten zur Verfügung stehen,Weitergabe des Preisrisikos durch stärkere Beteiligung der Kunden an der Entwicklung der Großhandelspreise,Beschaffungskostenvorteile aus Verbrauchsverlagerung in günstigere Zeiten.

Sämtliche Effekte können erst dann eine substanzielle Wirkung entfalten, wenn eine
signifikante Anzahl der Kunden mit fernauslesbarer elektronischer Messtechnik ausgerüstet ist.

Zugleich erzeugt die Nutzung variabler Tarife weitere Komplexitäten und damit neue Risiken in den Beschaffungsprozessen. Herausforderungen entstehen vor allem in folgenden Punkten:
  • Produktentwicklung mit effektiven Anreizen zur Verbrauchsverlagerung,
  • Integration und Rückkopplung der betroffenen Prozesse in Vertrieb, Beschaffung und Bilanzierung zur Kontrolle und Weiterentwicklung der geplanten Effekte, insbesondere in der Einführungsphase,
  • effektive und effiziente Unterstützung der Prozesse durch spezialisierte IT-Systeme in Vertrieb, Beschaffung und Messwesen.
Für die Ermittlung der konkreten Potenziale aus Maßnahmen zur Beschaffungsoptimierung wurden anonymisierte Lastgangsdaten von Haushaltskunden ausgewertet. Auf Basis einer von Trianel entwickelten Software zum Clustering von Zeitreihen wurden verschiedene Potenziale ermittelt:
  • Potenzial aus Optimierung des Standardlastprofils,
  • Potenzial bei Off-Peak-lastigen Kundensegmenten im Vergleich mit anderen Segmenten,
  • Potenzial aus Verbrauchsverlagerung mit zeitvariablen Tarifen,
  • Einfluss des Preisniveaus auf die Potenziale.
Im Ergebnis wurden Potenziale im Umfang von mehreren Hunderttausend Euro für ein durchschnittliches EVU (mit 50.000 Kunden à 3.000 kWh/Jahr) ermittelt. Ein wesentlicher Einflussfaktor ist dabei das Großhandelspreisniveau – gegenüber dem niedrigen Preisniveau aus 2010 verdoppeln bis verdreifachen sich die Potenziale bei einem hohen Preisniveau wie aus 2008.

Den Potenzialen gegenüber stehen die Kosten der Umsetzung in Prozessen und IT sowie die Risiken aus der Nichtbeherrschung der neuen Anforderungen. Die identifizierten Herausforderungen sind zugleich die Erfolgsfaktoren bei der Umsetzung. Die Entwicklung attraktiver, zielgerichteter Produkte auf Basis eigener Datenanalysen sollte nun im Fokus für EVU stehen.

Die Studie kann über EVB Energy Solutions bezogen werden. Die Zusammenfassung ist kostenfrei auf der Website der LBD verfügbar (www.lbd.de).
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