Das Gebäudemodernisierungsgesetz könnte den Transformationsprozess ausbremsen und die Erfüllung der deutschen sowie europäischen Klimaziele ernsthaft gefährden.

Das GModG verfehlt die Ansprüche an einen klaren und verlässlichen Ordnungsrahmen für die Wärmewende. Zugunsten einer vermeintlichen Technologiefreiheit wird die 65-Prozent-EE-Pflicht abgeschafft, ohne dass die Biotreppe einen gleichwertigen Anreizmechanismus schafft oder die Verfügbarkeit von Biobrennstoffen absichert. Neue Gasheizungen werden gegenüber Fernwärme und Wärmepumpe strukturell bevorzugt, während das Fossilverbot 2045 zwar formal bestehen bleibt, seine Durchsetzung jedoch lediglich auf die Energieversorger verschoben wird.

Gemeinsam mit der neuen Kostenaufteilungsregelung, die zusätzliche Bürokratie schafft, wird es damit zur rationalen Entscheidung, Heizungsmodernisierungen hinauszuzögern oder weiter auf den Gaskessel zu setzen. Der Transformationspfad wird so für ein weiteres Jahrzehnt blockiert, die Klimaziele drohen verfehlt zu werden.

Wir fordern:

Das gesamte Wärmepaket muss erneut auf den Prüfstand. Entscheidend ist dabei die Umsetzbarkeit, Verlässlichkeit und Bezahlbarkeit der Wärmemarkttransformation.

Unsere Initiative: Wärmewende retten

Die Allianz „Wärmewende retten“ hat sich im Zuge des Gesetzgebungsprozesses zum Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) gegründet und begleitet nun den weiteren Prozess zur Ausgestaltung des Wärmepakets kritisch, engagiert und faktenbasiert.

Juli 2026
Impulspapier zum neuen Gesetz: GModG teure Verantwortungsverschiebung statt Technologiefreiheit
Entgegen der breiten öffentlichen Kritik am Eckpunktepapier wurde der im Mai veröffentlichte Gesetzentwurf am 9. Juli 2026 weitgehend unverändert vom Bundestag verabschiedet. Unser Impulspapier zeigt auf Grundlage des Ariadne-Gutachtens des Fraunhofer ISE, was das Gesetz für die Transformation des Wärmemarkts bedeutet.

1. Scheinbare Technologiefreiheit auf Kosten der Klimaziele

Mit der Abschaffung der 65-Prozent-EE-Pflicht entfallen zentrale Anreize für klimafreundliche Heizsystementscheidungen – ohne dass die Biotreppe einen gleichwertigen Mechanismus schafft. Der Gesetzgeber postuliert Klimaneutralität und Technologiefreiheit, bleibt jedoch einen belastbaren Nachweis zu Verfügbarkeit und Preiserwartung von Biobrennstoffen schuldig.

2. Kein Level-Playing-Field zwischen den Heiztechnologien

Fernwärme bleibt an deutlich ambitioniertere Vorgaben gebunden als neue Gasheizungen: Bestandsnetze müssen ab 2030 mindestens 30 Prozent und ab 2040 mindestens 80 Prozent erneuerbare Energien nachweisen, neue Netze sogar 65 bis 75 Prozent. Eine neue Gasheizung hingegen muss ab 2029 lediglich 10 Prozent Biomethan beimischen. Der Wettbewerb zwischen den Versorgungsoptionen wird dadurch strukturell verzerrt.

3. Gasheizungen bleiben zunächst ökonomisch bevorzugt

Durch die geringen Biobrennstoffanteile bleibt die Mischgaslösung bis 2035 ähnlich günstig wie ein reiner Erdgaskessel. Ohne zusätzliche Anreize wird die Wärmepumpe erst ab 2035 zur eindeutig günstigeren Option.

4. Das Fossilverbot bleibt – die Verantwortung wird verschoben

Das Verbot fossil betriebener Heizungen auf Gebäudeebene ab 2045 bleibt über den neuen §114 EnWG erhalten, indem die Belieferung mit fossilem Gas untersagt wird. Das Enddatum bleibt, aber die Verantwortung verschiebt sich vom Gebäudeeigentümer auf die Energieversorger, die künftig die kommunikative und rechtliche Last tragen müssen.

5. Neue Komplexität statt Bürokratieabbau 

Das Gesetz schafft zwei parallele Kostenaufteilungsregime: eines für Bestandskessel und ein neues für neu eingebaute Gaskessel, womit die ohnehin kaum verständlichen Nebenkostenabrechnungen weiter verkomplizier werden.

6. Abwarten wird zur rationalen Strategie für Vermieter

Durch die neue Kostenteilungsregel steigt der Vermieteranteil bei Heizungsmodernisierungen. Gemeinsam mit den Unsicherheiten hinsichtlich der Verfügbarkeit, Preisentwicklung und regulatorischen Ausgestaltung von Biobrennstoffen ist es aus Vermieterperspektive rational, Investitionen aufzuschieben oder – bei kurzfristigem Handlungsdruck – auf einen kalkulierbaren Gaskessel zu setzen.

Die Bilanz: Der Transformationspfad wird für ein weiteres Jahrzehnt blockiert

Bis 2045 könnten rund 22% der Heizungen im fossilen Status quo verbleiben

Dadurch entstehen kumulierte Mehremissionen von 372 Mio. t CO2

Aufgrund des europäischen Effort-Sharing führen die Mehremissionen zu potenziellen Haushaltsbelastungen von 57,7 bis 105,5 Mrd. Euro

Die Klimaziele im Wärmesektor drohen verfehlt zu werden

Rückblick

April 2026
Erstes Positionspapier zum Eckpunktepapier

Bereits bei Ankündigung der Novellierung des GEG mit dem GModG, hat die Initiative in einem Positionspapier davor gewarnt, dass ein schwach ausgestaltetes GModG „die Klimaziele de facto außer Reichweite bringen“ und die Resilienz des Energiesystems schwächen würde.
Lesen Sie das Positionspapier und die Pressemitteilung zum Start der Initiative.
Hinweis: Zu Beginn des Reformprozesses wurde das Gesetz noch mit „GMG“ abgekürzt – auch in unserem Positionspapier findet sich diese Bezeichnung. Mittlerweile hat sich die Abkürzung „GModG“ etabliert, die wir nun erwenden.

Juni 2026
Erfahrungsaustausch „GmodG und die Fernwärme – was für Stadtwerke auf dem Spiel steht“

Am 24. Juni haben wir gemeinsam mit Stadtwerken diskutiert, wie sich die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen – exemplarisch anhand der Analyse für die Stadtwerke Frankenthal – konkret auf den Fernwärmeausbau auswirken wird. Ein zentraler Baustein dabei sind Szenarioanalysen auf Gebäudeebene mit INFRA, mit denen wir erkennen, welche Gebäude künftig aus der Fernwärme fallen, wo bestehende Investitionen im Feuer stehen und an welchen Stellen wir Handlungsalternativen prüfen müssen. Den Link zum Blog finden Sie hier:

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Pressestimmen

ASEW „GMG: Kommunale Allianz warnt vor Auswirkungen“

Clean thinking „Wärmewende retten: Stadtwerke rebellieren gegen Reiches Heizungsgesetz“

energate messenger „Neue Initiative poltert zum geplanten GMG“

Energie & Management „Branchenallianz kritisiert Gebäudemodernisierungsgesetz“

Haustec (Gentner Verlag) „GMG: Stadtwerke und Energieversorger warnen vor fossilem Lock-in“

Moderne Gebäudetechnik (HUSS-MEDIEN GmbH) – Das Praxisjournal für die TGA-Planung „Transformationsprozess vorantreiben, nicht ausbremsen!“

pv magazine „Kommunale Versorger warnen vor Rückschritten durch geplantes Gebäudemodernisierungsgesetz“

Tagesspiegel Background „Versorgerbündnis hält GMG-Eckpunkte für fatal“

Tagesspiegel „Kommen nun doch Einbauverbote?“

TGA+E Fachplaner (Gentner Verlag) Kritik am GMG: „Wir verlieren Jahre“

t-online „Stadtwerke rebellieren gegen Reiche-Pläne“

sbz-online „Kritik am GMG: „Wir verlieren Jahre““

Windmesse „Wärmewende retten: Analysepapier warnt vor fossilem Lock-in bei geplantem Gebäudemodernisierungsgesetz“

ZfK Energie-Ticker 10.04.2026 „Abschaffung der 65‑Prozent‑Regel kann Investitionsbremse werden“

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